Veröffentlicht von: lordsofmetal.nl
Interviewer: Ferdi
Veröffentlicht: Dezember, 2002


Interview mit Manowar-Gitarrist Karl Logan, kurz vor der Show in Zwolle, Holland.

Als ich Karl Logan treffe, ist ihm anzusehen, dass er erschöpft ist. Nicht erschöpft im Sinne von überdrüssig, sondern eher im Sinne von: Noch ein letzter Kampf, dann kann ich nachhause gehen. Natürlich ist das nachvollziehbar, denn der blonde Gitarrist hat gerade einige Wochen einer ausgedehnten Tour hinter sich, heute abend findet die letzte Show statt, und dies ist somit das letzte Interview. Er spricht langsam, aber leidenschaftlich.

„Wir haben etwa 35 Shows gespielt. Eine ganze Woche waren wir mit der Preproduction beschäftigt – Bühnenaufbau usw. – und haben geprobt. Glücklicherweise haben wir danach nicht nonstop getourt, sondern immer vier Shows und dann ein Ruhetag. Diese Woche haben wir fünf Shows nacheinander gespielt, das ist recht viel.“

Und was hat mehr Spaß gemacht? – Die Showtage oder die Ruhetage?
„Hehe, das ist schwer zu sagen. Die Showtage bestehen zu großen Teilen aus Warten. Die meisten Leute wissen das nicht. Die meiste Zeit wartet man auf den Soundcheck, oder darauf, dass die Supportband anfängt zu spielen, oder dass man selbst anfängt zu spielen. Und was die Ruhetage anbelangt… das hängt ganz davon ab. Manchmal schläft man einfach den ganzen Tag, manchmal schaut man sich die Stadt an, in der man sich gerade befindet. Sehr schade, dass das Wetter in Europa während der letzten zwei Monate so schlecht war. Ich toure lieber im Winter, aber diesmal haben wir eine Menge Zeit in den Hotels totgeschlagen ohne irgendwas zu tun.“

Und was ist das erste, was du tun wirst, wenn du nachhause kommst?
„Die Bilder von meiner Freundin wegreißen.“

Wieso das?
„Weil sie mich 10 Tage vor Beginn der Tour verlassen hat (lacht, und hält dann inne). Es ist also eine interessante Frage. Vermutlich werde ich mein Motorrad ins Wohnzimmer stellen, den Motor rausnehmen, und versuchen, ihn nachzubauen. Das sind meine Pläne für Weihnachten.“

Wie ist dein Verhältnis gegenüber diesem Land?
„Mein Verhältnis, oder das der Band? Ich fange mal mit meinem eigenen an. Ich habe eine Menge Zeit hier verbracht, ich liebe das Land und die Leute. Die Sprache ist toll, es ist das Land der „Lekkermuts“. Ich beschäftige mich gerne mit seiner Geschichte. Ich lese auch gerne über die Schlacht von Arnhem, und als ich das letzte Mal hier war, habe ich viel Zeit damit zugebracht, die ganzen Schlachtfelder zu besuchen. Das Verhältnis der Band zu diesem Land ist v.a. davon geprägt, dass wir immer noch versuchen, hier mehr Shows zu spielen. Wir haben eine riesige Gefolgschaft in diesem Land aber… ich habe gehört, dass in der Halle, in der wir heute abend spielen, normalerweise gar keine Konzerte stattfinden. Ich weiß noch nicht mal, wie wir überhaupt hierher gekommen sind. Ein Problem ist z.B. die Größe der Clubs. Ich war einmal in Tilburg, und dort gibt es einen tollen Club (013, Anm. Ferdi). Aber der ist zu klein für uns und unsere Fans. Natürlich versuchen wir, in eurem Land mehr Auftritte zu bekommen. Ich hasse es, das zu sagen, aber wenn man Holland mit Deutschland vergleicht… Ihr seit Nachbarn, und in Deutschland wird unser Album in ein oder zwei Monaten Gold holen, und wir haben dort gerade 14 Shows absolviert. Und gleich hinter der Grenze liegt dann Holland, und dort spielen wir nur eine Show. Wir haben viele Fans in eurem Land, und das sollte Grund genug sein, um etwas öfter hier vorbeizuschauen. In einem solch kleinen Land mit so vielen Leuten sollte es eigentlich einfacher sein, ins TV und Radio zu kommen und zu wachsen, möchte man meinen. Und ich denke, das wird uns eines Tages gelingen.“

Du sagst also, dass es auch nach 20 Jahren noch Eroberungsmöglichkeiten für Manowar gibt?
„Ja, ganz klar. Überall wo wir hingehen, haben wir neue Fans gewonnen. Bei jedem Gig auf dieser Tour sind buchstäblich Tausende von neuen Fans gekommen. Es gab Shows, die ausverkauft waren, und manche, bei denen sogar 500-600 Karten zuviel verkauft wurden. Die Leute konnten nicht mehr rein. Wenn also diese Tour eine Messlatte für das Wachstum der Band ist, dann wachsen wir definitiv. Und das mag ich. Ich bin lieber in einer Band, die langsam und stetig weiterwächst. Das ist viel besser, als diese Bands die plötzlich aus dem Nichts an die Spitze geschleudert werden, und dann genauso schnell wieder verschwinden. Die Flame die doppelt so hell brennt, brennt halb so lang.“

Jetzt, da die Tour fast zu Ende ist: Wieviele Lautsprecher habt ihr verheizt?
„Joey hat an einem Abend acht Lautsprecher zerstört. Acht Lautsprecher! An einem Abend! Alle auf einmal. Ich habe keine Ahnung, wie er das angestellt hat, aber ich vermute, dass sein Verstärker oder seine Power Distribution sie einfach verbraten hat. Und was die Gesamtzahl der zerstörten Lautsprecher betrifft... Ich glaube nicht, dass es diesmal so viele waren. Unsere PA ist brandneu, auf dem Stand der Technik. Und je besser die Technologie, umso weniger Lautsprecher kann man hochjagen. Ich glaube sogar, dass wir keinen einzigen der PA-Lautsprecher zerstört haben. Und das ist ja das schöne heutzutage, jedes Musikgerät, das man kauft, ist viel besser als noch vor einigen Jahren. Es gibt alle möglichen Arten von Reglern und Sicherungen, um zu verhindern, dass so etwas passiert.“

Und dennoch, acht Lautsprecher, das ist schon einiges.
„Naja, das kommt von der wahnsinnigen Lautstärke, mit der wir spielen, und der extrem Power, die wir verwenden, um diese Lautstärke zu erreichen. Es läuft eine Menge Saft durch unsere Ausrüstung. Ich glaube, meine Gitarre alleine kommt auf 4000 Watt. Und das ist dann voll aufgedreht! Es ist nicht so, dass ich dann auf 3500 Watt spielen würde, es gibt jeden Abend 4000 Watt.“

Und was macht ihr mit den Lautsprechern, die ihr hochgejagt habt?
„Wir reparieren sie. Unser Techniker Dawk repariert alles; der hat es drauf! Er ist schon lange mit der Band unterwegs, und kennt sich aus. Er weiß genau, wie man alle möglichen technische Probleme löst.“

Das neue Album Warriors Of The World ist wirklich gut. Beruht das auch auf deinem Input?
„Danke für das Kompliment. Wir als Band wollten, dass es ein sehr abwechslungsreiches Album wird. Etwas sehr breitgefächertes, dass die Dynamik der Band aufzeigen sollte. Wir wollten nicht noch einmal ein Album wie Louder Than Hell aufnehmen, welches ein reines straight-forward Rock-Album war. Es gab nicht viel Orchestrierung, nur Gitarren, Bass usw. Ich höre mir oft Soundtracks an, orchestrale Sachen. Also habe ich die Band stark in diese Richtung getrieben. „Nein, Leute, an der Stelle brauchen wir ein dynamisches Break“. Natürlich bin ich nicht für alles verantwortlich, ich bin nur ein Teil der Band, und versuche mich einzubringen.“

Der einzige Kritikpunkt, den ich anbringen muss, ist die Songreihenfolge: Es gibt keine Balance. Es ist nur so, dass die Reihenfolge anders hätte sein sollen.
„Ja, das sagt jeder. Nun, Joey sagt, dass er die Reihenfolge so festgelegt hat, weil er eine Dramaturgie wie in einem Film erzeugen wollte. Ein schneller Beginn, dann ein ruhiger Teil und dann noch mal ein flottes Ende, um die Sache zum Schluss zu bringen. Es geht mit einem Schlag los, dann einige ruhigere Stellen, und wenn die Stimmung auf den Höhepunkt zusteuert, killt die Musik wieder richtig. Das schöne an CDs ist, dass jeder die Reihenfolge selbst verändern kann, wenn er will, man ist also nicht notwendigerweise an unsere Reihenfolge gebunden. Aber du bist nicht der Erste, der das sagt. Aber es ist halt so, passiert ist passiert.“

Und wie verkauft sich das Album?
„Es ist nicht unser bestverkaufendes Album, aber es ist definitiv das, das sich am Schnellsten verkauft. Etwa 150.000 Stück in sechs Monaten. Das ist eine Menge für eine Metalband, v.a. heutzutage, mit der ganzen Piraterie und den sinkenden Absatzzahlen für Tonträger.“

Glaubst du, dass MP3 Filesharing gut oder schlecht ist?
„Es ist zum kotzen. Es ist mir egal, ob das für Musikfans ist oder nicht. Wie heißt dieses Programm noch mal, dieses verdammte Napster? Ich hasse es. Aus Sicht der Industrie ist es scheiße für die Musik. Denn diejenigen, die es trifft, sind die jungen Musiker. Denn Musiker sind auch nur Leute, die ihre Rechnungen bezahlen müssen. Wenn man in einer Band ist, und versucht, größer zu werden, kann man sich nicht mit einem normalen Job nebenher aufhalten. Wenn du besser werden willst, musst du üben, hart an deinen Songs arbeiten und zwei, drei Mal die Woche spielen. Wenn du nebenher einen normalen Beruf hast, lässt dir das keine Zeit mehr, dich als Musiker zu entwickeln. Deshalb musst du von den CD-Verkäufen leben. Mit anderen Worten, sobald es sich nicht mehr rentiert, Musiker zu sein, wird es weniger gute Bands und weniger gute Musik geben.“

Und glaubst du, dass durch die ganze Raubkopiererei andere Verkaufselemente wichtiger geworden sind? Z.B. DVDs, T-Shirts und Touren.
„Ich glaube, es hängt alles zusammen. Denn, seien wir ehrlich: Es ist cool, in einer Band zu sein, aber letztendlich ist es auch nur ein Geschäft. Vier Bandmember bedeutet vier Trucks und fünfzig Mitarbeiter. Diese Band muss von CD-Verkäufen leben. Die meisten Leute denken daran nicht, die meisten Leute denken nur daran, was es kostet, ein CD-Cover zu drucken, aber es gibt noch weit mehr, das die meisten Leute nicht sehen. Also, es stimmt, heutzutage muss eine Band sich verändern im Bezug darauf, was auf dem Markt ist hinsichtlich Merchandising, Vermarktung der Band und Live-Auftritte. Und das ist im Grunde das, was wir die letzten paar Jahre gemacht haben, indem wir vier DVDs, zwei Live-Alben, die Touren, eine hübsche Auswahl an Merchandising wie Shirts und Kappen herausgebracht haben und herausbringen. Alles Sachen, nach denen die Kids in den letzten Jahren gefragt haben. Also, ja, wie du schon sagtest, dieses Zeug ist extrem wichtig heute.“

Manowar sind bekannt für ihren ausschweifenden Lebensstil: Alk, Girls, alles. Du bist nun seit acht Jahren Teil dieser Band. Wieviel davon stimmt?
„Naja, um eine Heavy Metal Band sind immer Girls herum. So war es schon immer, seit es Metal gibt. Die Mädels gehen zu den Konzerten, manche wollen die Musiker sehen, und seien wir ehrlich: Es ist toll, neue Leute kennen zu lernen, besonders Frauen. Aber nunja, der wahre Grund, warum viele Musiker Frauen unterwegs auf Tour mitnehmen, ist, weil es so schwer ist, eine dauerhafte Beziehung zu unterhalten. Es ist nicht nur, weil sie sie f*cken wollen, weil sie vergessen wollen, dass es so schwer ist, eine Beziehung aufrecht zu erhalten wenn man so viel unterwegs ist. Und was den Alkohol anbelangt: Es gibt Leute, die sich volllaufen lassen, und solche, die es nicht tun. Wir gehen niemals besoffen auf die Bühne. Das wäre nicht fair gegenüber den Fans, die eine Menge dafür bezahlt haben, um uns zu sehen. Eine Sache, die mit dem Älterwerden zu tun hat, ist die, dass man professioneller wird, und eine Hingabe zur Show entwickelt. Heute arbeiten wir so hart auf der Bühne, dass wir am Ende wie tot sind, völlig überhitzt und verschwitzt. Du kannst nicht saufen, wenn du das jeden Abend leisten willst. Aber was die Leute danach tun, ist ihre Sache. Dieser Teil ist privat. Ich kann dir nicht sagen, wer der größte Partylöwe in der Band ist, denn es ist immer jemand anders. Und das ist so eine Art Band-Geheimnis.“

Auf eurer letzten Tour hattet ihr einen speziellen Teil in der Show, wo ihr einen Typen und ein Mädel aus dem Publikum geholt habt. Das Mädel musste dann seine Titten zeigen, und der Kerl durfte Gitarre zu einem Song spielen. Was ich mich frage ist: Habt ihr diese Leute tatsächlich während der Show ausgesucht, oder war das schon von vorneherein alles festgelegt?
„Im Grunde haben wir das auf dieser Tour nicht gemacht, weil wir den Leuten nicht immer die gleiche Show vorsetzen wollen. Aber früher hat es immer viel Spaß gemacht. Wir haben einfach während der Show irgendwen aus dem Publikum genommen, 100% zufällig. Wir wussten also nie, wer da auf die Bühne kommen würde. Manchmal bekamen wir wirklich hübsche Girls auf die Bühne, und manchmal waren sie echt hässlich. Aber das ist Teil des Spiels. Und was den Gitarristen anbelangt, hahaha… Manchmal hatten wir Leute auf der Bühne, die SO schlecht waren, die hatten keine Ahnung von Gitarren. Sie wollten nur auf der Bühne sein. Aber die Gitarre ist immer eingesteckt und verstärkt, es ist also kein abgeschaltetes Instrument. Natürlich wird es nicht so laut abgemischt wie das von Joey und mir. Denn, seien wir ehrlich, man kann von niemandem erwarten, dass er einen Song mitspielt, den er nur vom Hören kennt. Aber am Anfang und am Ende vom Song kann man sie hören, was auch immer sie spielen – sie sind es.

Okay, das war es dann auch schon. Was sind eure Pläne für die nähere Zukunft?
Zunächst gehe ich mal nachhause, hehehe. Wir machen eine Pause, und arbeiten dann den Sommer hindurch am neuen Album, um es Weihnachten 2003 fertig zu haben.



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