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Veröffentlicht von: live4metal.com
Interviewer: Scott Alisoglu
Veröffentlicht: Juli, 2002
Der gebbürtig aus Pennsylvania stammende Gitarrist Kar Logan schloss sich 1994 Manowar an und hat es bis heute nicht bereut. Seit der kürzlich veröffentlichten Warriors of the World schwenken Manowar wieder stolz die Flagge des Heavy Metals. Karl hat mir seine Gedanken über das neue Album und der Tour betreffend mitgeteilt. Außerdem hat er seinen Standpunkt über Heavy Metal in einer Zeit des New- Metal dargestellt.
Scott: Wie waren die Reaktionen auf " Warriors of the World"?
Karl: Unglaublich. Einfach überwältigend. Das Album war auf Platz 2 in Deutschland und unter den Top 10 in einigen anderen Ländern. Ich glaube es ist sogar immer noch unter den Top 20 in Europa. Allein die Single hat sich mehr als 85.000 mal verkauft. Auf einigen Radiosendern, sogar in Amerika, war Warriors of the World Platz 1 über sechs Wochen lang. Wir sind einfach nur sehr froh und wir danken allen unseren Fans ohne die dies alles nicht möglich wäre.
Scott: Warum dann die lange Zeit zwischen den Veröffentlichungen?
Karl: Nach Louder than Hell sind wir auf einer vierjährigen Tour gewesen und haben während der Zeit zwei Doppel- Live- Alben veröffentlicht, die sich die Fans gewünscht hatten. Alles was unsere Fans hatten waren Raubkopien. Keine richtig gute Qualität von Live Mitschnitten und deshalb war die Nachfrage da. Es musste ein Doppelalbum sein, weil wir so viele gute Songs hatten. Als wir das Album fertig hatten, sagten die Fans, ja, wir lieben das Album, aber mein Lieblingssong ist nicht drauf. Wir hatten dann das Gefühl, das wir noch ein Doppel- Live- Album aufnehmen sollten. Außerdem gab es eine große Nachfrage nach Videos, Archivmaterial, egal was, Hauptsache Material über die Band. Wir waren der Meinung es wäre an der Zeit so etwas zu machen. Während wir auf Tour waren haben wir Videomaterial gesammelt, die Technologie erlaubt es uns eine Menge DVDs herzustellen, wir werden noch mehr veröffentlichen in naher Zukunft. Die Fans fragten auch nach alten Alben, welche sie nicht mehr bekommen konnten oder nur noch auf Kassette. Also haben wir uns die Zeit genommen und alte Alben neu bearbeitet und wieder veröffentlicht inklusive Begleitheften und solchen Sachen. Es hat eine ganze Weile gedauert die Archive zu durchsuchen und alles herauszusuchen. Während wir all dies taten sind wir gleichzeitig noch ausgiebig um die Welt getourt und haben ein Digitalstudio aufgebaut. Wir haben erst im Sommer 2000 damit begonnen dieses Album zu schreiben und aufzunehmen. Es ist unzutreffend zu sagen, das es sechs Jahre zwischen den Aufnahmen sind. Wir haben nicht nur auf unseren Hintern rumgesessen.
Scott: Denkst Du ihr habt komplett neue Wege mit dem neuen Album beschritten oder ist dies eher ein Album nach den alten Modellen ?
Karl: Die Fans wollten wieder etwas das sich wie früher anhörte. Klassisch, könnte man sagen. Wir dachten auch das es gut wäre ein Album zu machen, bei dem man alle Fassetten der Band hören kann, die Dynamik der Band erkennt. In der Vergangenheit gab es Lieder wie "Master of the Wind", wo wir uns am härtesten und eindrucksvollsten angehört haben, wenn wir nicht mit voller Lautstärke gespielt haben. Ich glaube es ist eine Art raffinierter Kunst und eine Herausforderung so etwas zu machen. Mit diesem Album wollten wir zeigen, wie mannigfaltig Heavy Metal ist und wie viele Fassetten es hat und das es nicht nur darum geht laut zu spielen. Eigentlich ist es leicht einen Song zu schreiben, der laut, hart und schnell ist. Es ist sehr viel schwieriger und eine Herausforderung so was wie "Swords in the Wind" zu schreiben, wo du sehr aufmerksam sein musst in welche Richtung der Song sich entwickelt. Es ist fast so als wenn man einen Film dreht, bei dem man auf die epischen Maßstäbe achten muss. Es ist leicht einen Action Film zu machen. Da hast du deine Autounfälle, Motorradrennen, Feuer und Explosionen. Das sind die leichten Sachen. Eine Formel. Aber etwas wie ein klassischer Film, der die ganze Palette an Gefühlen abdeckt... das hat dann schon die Note eines Meisterregisseurs. Diese Art der Anschauung hatten wir bei dem Album.
Nicht nur das wir eine Art Geschichte bei dem gesamten Album verfolgten, sondern wir haben versucht, jeden einzelnen Song mit einer eigenen Dynamik, einer eigenen Handlung der Geschichte zu schreiben.
Scott: Wie war die U.S. Tour mit Immortal?
Karl: Wirklich sehr gut. Überraschenderweise war es eine großartige Tour. Sehr erfolgreich. Die Jungs waren großartig. Wir hatten die Gelegenheit unseren Fans eine andere Art von Musik zu zeigen und neue Fans aus den Reihen der Death Metal Fans zu bekommen. Sie kamen und eine Menge von ihnen blieben um auch unsere Show zu sehen, die Fans haben sich großartig amüsiert und mit uns gefeiert und gerockt. Es gab einige Shows die nicht so gut beworben waren, wie man es vielleicht hätte tun können.
Scott: Ja, ich habe erst einige Tage vor einer Show mitgekriegt, dass sie eigentlich stattfinden soll.
Karl: Ja, aber da kann man nichts machen. So ist das Leben. Aber für die Shows die schlecht beworben waren, hatten wir im Gegenzug eine Menge Shows die ausverkauft waren. Der Grossteil der Shows war ausverkauft, proppen voll. Es war eine großartige Zeit für uns. Wirklich sehr erfolgreich. Wir sind ganz rauf bis Seattle.... Kanada. Es war fantastisch dort. Wir hatten dort noch nie gespielt.
Scott: Noch nie!?
Karl: Noch nie. Ich glaube wir haben noch nie in Kanada gespielt oder es muss so um'84/ ‚85 rum gewesen sein, aber ich glaube es war das erste mal das wir in Kanada gespielt haben. Es war einfach unglaublich- komplett ausverkauft.
Scott: Hast du das Gefühl, dass es einen erheblichen Unterschied zwischen Amerikanischen und Europäischen Fans gibt?
Karl: Nein, absolut nicht. Die Fans an sich sind nicht verschieden. Die Kultur ist anders. Im weitläufigen Sinn ist die Kultur verschieden, die Akzeptanz der Öffentlichkeit, was diese Art der Musik angeht. Heavy Metal war schon immer die Musik des Fußfolks, der bodenständigen Menschen. Diese Musik war schon immer die Musik der Leute, die sich nicht dazugehörig fühlen oder sich anders als die Masse fühlen. Es ist eine sehr persönliche Art von Musik. Die Beziehung zwischen der Band und den Fans ist sehr viel persönlicher als zum Beispiel bei N'Sync oder Britney Spears. Ganz egal wo wir hinkommen, es spielt gar keine Rolle wo ob es Argentinien, Russland, Deutschland oder Des Moines, Iowa ist - es gibt eine Verbindung zwischen den Fans und der Band. Es mag wohl sein, daß die Sprache verschieden ist, daß es verschiedene Gesichter sind aber das Gefühl und die Brüderschaft sind die Gleichen.
Scott: Wie passen MANOWAR in die Reihe der ganzen neuren Heavy Metal Bands?
Karl: Wir passen da nicht rein und darauf sind wir stolz. Wir passen nicht in das Bild, wir sind einmalig und wir stehen allein, für uns selbst. Wir gehen mit der Flagge voran und dafür lieben uns die Fans.
Scott: Wie würdest Du selber Deinen Stil gegenüber dem Stil früherer Manowar Gitarristen beschreiben?
Karl: Ich mag das gar nicht sagen, aber ich muss wohl, mein Stil ist technisch ein bisschen ausgereifter, ein bisschen mehr spekulativ. Ross war ein Blues Spieler, ein großartiger Blues Spieler. Er hat mit Leib und Seele gespielt. .............. David hat ein bisschen mehr avantgardistisch gespielt. Mir fällt es schwer seinen Stil auf den Punkt zu bringen. Ich glaube das liegt daran, das es eigentlich nur ein Album gibt um seinen Stil zu bestimmen. Ich habe viel gelernt, sehr viel theoretischen Unterricht. Ich habe mein Leben lang für mein Instrument gelebt und sehr viel Zeit mit üben verbracht. Ich spiele viele Sachen genauso wie Ross sie gespielt hat und ich versuche meine eigenen Sachen einzubauen, da wo es angebracht erscheint. Es macht Spaß zu sehen, dass ich immer mehr eigenen Sachen aufnehme. Andererseits ist es auch frustrierend immer noch so wie Ross zu spielen. Für die Musik ist das gut, aber manchmal fühle ich mich als wenn ich immer noch in einer Cover Band spielen würde.
Scott: Hast Du das Gefühl, dass die heutigen, jüngeren Metal Bands Gitarren Solos sehr vernachlässigen?
Karl: Ich sag dir auch warum. Und ich sage das nicht um arrogant oder überheblich zu klingen, aber eine Menge Leute können einfach nicht spielen. Die Gründe dafür sind die Technologie und die kulturelle Haltung. Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit heute mit Internet und allem. Ich habe das schon einige Male erlebt mit den Studenten, ich unterrichte wenn ich nicht auf Tour bin. Jeder hat heutzutage CDs, in den Schulen laufen die Kids mit ihren CD- Playern rum als wären sie Rockstars. Ganz egal ob die CD einfach abscheulich ist und es keinen Songtext gibt. Es geht nur darum eine zu haben. Sie posieren rum und fühlen sich toll. Diese Kids begreifen gar nicht, dass man früher in ein Studio gehen musste um für $ 500 eine CD herstellen musst und nicht wir heute mit einem digitalen Brenner einfach eine CD brennt. Man musste sich seinen Stellenwert erarbeiten. Du musstest gut genug sein, damit überhaupt jemand Geld in dich investierte, damit sich jemand Zeit nahm um dich weiter zu entwickeln oder überhaupt kam um dich anzuhören. Und man musste richtig lernen wie Songs geschrieben werden und wie Solos gespielt werden, man musste sein Instrument spielen lernen. Man musste sich seine Kariere hart erarbeiten. Früher musste man sich sehr anstrengen, weil die Belohnung ja auch viel größer war. Heutzutage ist das alles nichts. Heute lernt man ein paar Zwei- Finger Akkorde, man schmeißt ein paar Akkorde zusammen und macht eine Menge Krach. Seien wir doch mal ehrlich , die Leute habe vergessen wie man Songs schreibt. Das ist das Problem der heutigen, jungen Musiker. Diese Leute denken, dass es reicht wenn sie Krach machen und einen Sänger haben der sich hinstellt und schreit, sie meinen das wäre Musik. Das Problem ist ganz einfach, dass es zu viel Scheiß gibt, so dass dies zum heutigen Standard geworden ist. Die Leute hören das und denken: "wenn die das können, kann ich das auch". Die Leute nehmen sich nicht genug Zeit um ihre Instrumente richtig spielen zu lernen, das ist das Problem. Sie wollen posieren und mit einer CD in der Tasche rumlaufen um den Mädels zu sagen:" Ich hab' eine eigene CD, meine Band hat eine CD aufgenommen" und eigentlich haben sie nicht mal das scheiß Recht überhaupt eine CD aufzunehmen. Sie wissen nicht wie man Songs schreibt. Es scheint nicht mehr cool zu sein Coversongs zu spielen. Aber wie denkst du lernt man am besten? Die meisten verstehen einfach nicht, dass ein Gitarren- Solo nicht nur für das Ego des Musikers da ist. Es ist wie eine Ersatzstimme. Es ist eine andere Art der Interpretation der Melodie. Es ist eine Möglichkeit etwas auszudrücken, das man mit der Stimme nicht ausdrücken kann.
Oft wird es als eine Art Brücke zum nächsten Teil genutzt oder als eine Art Weiterentwicklung der Akkorde. Es ist die Evolution eines Songs. Eine Art Brücke, die dich weiterführt. Es hat einen sehr hohen Stellenwert innerhalb eines Songs, wenn man es richtig einsetzt. Um ehrlich zu sein, einige Bands und Gitarrespieler nutzen es nur um anzugeben. Aber gleichzeitig kann ein gutes Gitarrensolo, egal ob schnell oder langsam gespielt, auch eine wichtige Bereicherung für einen Song sein. Das traurige an der Sache ist nicht nur, dass die Leute nicht wissen wie man es gut spielt, die meisten verstehen eben einfach nicht wie wichtig ein Solo für einen Song ist, weil sie sich nicht die Zeit nehmen um beim spielen von Cover Songs richtig zu lernen.
Scott: Gibt es Deiner Meinung nach ein Manowar Album, das vollkommen ist?
Karl: Ich mag es kaum sagen, weil ich mit auf dem Album bin, aber ich glaube es ist Warriors Of The World. Ich denke auf diesem Album summiert sich alles was Manowar ist und war und sein kann. Da gibt es die schnellen Stücke, du hast die schnellen, tödlichen Heavy Metal Stücke; Es gibt sogar schnelle Trash Metal Stücke auf diesem Album; Es gibt klassische Musik; Dann gibt es den Hard Rock ähnlich wie Carry On mit "Fight For Freedom" und den super geilen Song "Call To Arms". Ich denke dieses Album umfasst einfach alles was die Band ausmacht.
Scott: Wird es MANOWAR auch noch in sagen wir mal 10 oder 20 Jahren geben?
Karl: Ich habe keine Ahnung wie lange es uns noch geben wird, aber solange unsere Fans noch da draußen sind und so lange wir es noch körperlich hinkriegen und solange Heavy Metal gefordert wird, solange werden wir mit Sicherheit noch da draußen an der Front.
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