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Dieses Interview mit Karl Logan (K.L.) wurde von S.P. geführt und erstmalig auf der Homepage twilight.hu veröffentlicht.
Obwohl ich eigentlich kein großer Manowar-Fan bin, und jeder andere Redakteur wahrscheinlich verrückt nach diesem Interview gewesen wäre, habe ich es gemacht und es ehrlich gesagt auch nicht bereut. Ich hatte ein nettes Gespräch mit dem Gitarristen Karl Logan, und der Bursche übertraf alle meine Erwartungen, er war sehr sympathisch und behiflich, und antwortete sogar auf meine provokanten Fragen auf eine ruhige und intelligente Weise. Auf jeden Fall ein großartiger Kerl.
Es ist erst dein zweites Album, seit du zur Band gestoßen bist. Findest du nicht, dass die letzten 6 Jahre ein wenig zu lang waren?!
K.L.: Es ist ein Missverständnis, wenn die Leute glauben, dass es 6 Jahre gedauert hat, die Songs für das neue Album zu schreiben. Wenn wir nur eine kurze Tour gemacht hätten, und seitdem auf unserem Arsch rumsitzen würden, dann könnte man wirklich sagen, dass wir faul wären. Aber während der letzten 6 Jahre waren wir dauernd auf Tour, wir haben 2 Doppel-Live-Alben und ein Live-Video veröffentlicht, worauf die Fans eine lange Zeit gewartet hatten. Wir waren also sehr beschäftigt, mussten Szenen für das Video auswählen und schneiden, und sahen hunderte Stunden von Material um zu entscheiden, was darauf kommen sollte. Das gilt auch für das Live-Album, ausserdem benötigte das Abmischen eine Menge Zeit. Man kann sagen, dass wir vor etwa 2 Jahren anfingen, über das neue Album nachzudenken. Aber davor bis 1999, dem Ende der Monsters of Millenium-Tour, spielten wir wo immer man uns eingeladen hatte. Ok, für einen Aussenstehenden sieht es vielleicht so aus, als ob wir 6 Jahre gebraucht hätten, um ein neues Album herauszubringen, aber in Wahrheit dauerte das nur 1 ½ oder 2 Jahre.
Wie haben die Fans auf die Live-Alben und das Video reagiert?
K.L.: Sie haben es großartig aufgenommen. Ich habe schon davor gesagt, dass das nicht nur unsere Ideen waren, die Fans hatten danach gefragt. Wir haben Unmengen von E-Mails bekommen, und wo immer wir spielten, wurden wir gefragt: Wann veröffentlicht ihr ein Live-Album? Wann veröffentlicht ihr ein Video? Ok, es gab eine Menge Bootlegs von verschiedenen Shows, aber ich denke wir müssen nicht über deren Qualität sprechen…
Du bist das neueste Mitglied in der Band. Wie gefällt es dir? Und wie ist es, mit den anderen Musik zu machen?
K.L.: Es ist fantastisch.. Das ist die lauteste, heavieste Rock-Band der Welt, die dem traditionellen Heavy-Metal niemals den Rücken zugewandt hat. Wir spielen eine großartige Musik mit klassischen Einflüssen, aber wir können auch knallharte Knochenbrecher sein. Wenn man Metal-Musiker ist, dann ist das die Band, der man angehören möchte. Und mir ist das gewährt worden.
Es geht die Legende um, dass Rhino, der ehemalige Manowar-Drummer, sein altes Drum-Kit verbrannte, als er in die Band einstieg. Hast du etwas Ähnliches gemacht?
K.L.: Haha! Nein, ich hab’ nur die Telefon-Nummern meiner Ex-Freundinnen verbrannt. Haha! Weil wir gerade dabei sind, ich spiele übrigens schon seit fast 20 Jahren auf der gleichen Gitarre.
Ok ok, ich habe jetzt nicht unbedingt den pyromanischen Aspekt gemeint, aber irgendeine andere symbolische Aktion.
K.L.: Naja, ich hatte nie das Bedürfnis, irgendwas zu verbrennen, aber Rhino wurde von einer Reihe anderer Dinge beeinflusst, z.b. der Scheidung von seiner Frau. Die Musik war seit meiner Kindheit ein Teil meines Lebens. Mit 14 sagte ich zu meinen Eltern: „Ich bin ein Rockstar.“ Ich musste es nur in all den anderen Teilen der Welt unter Beweis stellen. Aber versteh’ mich nicht falsch, ich hasse das Wort „Rockstar“ auch, also sagen wir einfach, dass ich schon immer professioneller Musiker werden wollte.
Was denkst du über Manowars Image? Ich denke da an die Lyrics, die Covers, die großen Harleys auf der Bühne usw.
K.L.: Wenn du dir Manowars Image anschaust, und dann das von Judas Priest oder von vielen anderen Bands, dann wirst du feststellen, dass das das Heavy-Metal-Image ist. Heavy Metal bedeutete immer eine Art Rebellion gegen das System, gegen den Konformismus. Zum Beispiel die langen Haare. In den letzten paar Jahrzehnten waren sie immer ein Symbol der Rebellion, und ich denke, dass keiner verleugnen kann, dass die meisten Rockmusiker auch heute noch lange Haare haben. Was ist der Grund dafür? Die Aussenstehenden sagen, dass die Langhaarigen so verrückt aussehen würden, sie können wirklich eine Menge Scheiße über diese Kleinigkeit erzählen. Die Harleys? Du weißt ja, Motorradfahren ist auch ein Symbol von etwas, der Freiheit, dass du nicht zwischen vier Wänden eingesperrt bist, und in der Lage bist, diese ganze Scheiße hinter dir zu lassen. Und ich glaube das ist Heavy Metal. Und wenn wir diese Dinge tun, dann sind wir auch Symbole dieser ganzen Sache.
Dann schließt sich die Frage an, wieviel Prozent ihr selbst seit, und wieviel Prozent Schauspielerei sind?
K.L.: Das Image macht 10 Prozent aus, 90 Prozent sind wir selbst. Versteh’ mich nicht falsch. Ich wache nicht jeden morgen auf, und ziehe die Lederkluft an. Die Einstellung, der Stil, ich muss frei sein und mein eigenes Leben leben, egal was andere über mich denken. Das bin ich.
Wenn ihr nicht auf Tour oder im Studio seit, womit verbringst du deine Freizeit?
K.L.: Ich fahre Motorradrennen (hier sagt er den genauen Namen der Rennserie, aber ich kann es nicht verstehen). Es ist wie Motocross, man macht es mit Enduro-Motoren.
Auf Amateur- oder Profiniveau?
K.L.: Ich bin Amateur, ich fahre bei Amateur Meisterschaften, aber letztes Jahr bin ich Champion geworden, es läuft also ganz gut für mich.
Lass uns über das neue Album reden, aber zunächst über die demnächst erscheinende Single, Warriors of the World United. Was glaubst du braucht eine Heavy Metal-Band, um eine Single zu veröffentlichen?
K.L.: Es ist interessant, dass du das fragst, ich habe vor kurzem in einem Musikmagazin [einen Artikel zur Fragestellung] gelesen, ob diese Art von Veröffentlichungen für die Plattenfirmen nützlich ist, und das Ergebnis war Nein. Zunächst müssen wir wissen: Wofür wäre eine Single gut? Natürlich, um dem potentiellen Kunden in einem Song den Stil, den Sound usw. des kommenden Albums zu zeigen. Ich muss sagen, dass ich keinen Grund für uns sehe, warum wir nicht auch eine Single veröffentlichen sollten. Auf einer Single ist für gewöhnlich ein Song. Ich hör’ ihn mir an, und entscheide, ob er mir gefällt, oder nicht.
Dann freue ich mich auf die anderen Songs, das ganze Album. Ich höre mir das Album an und sage: “Hey, das ist eine coole Band!“ Und dann kaufe ich das Album.
So denken die Leute, und die Plattenfirmen wissen das. Diejenigen, die die Single kaufen, die natürlich billiger als das Album ist, und denen sie gefällt, die werden auch das Album kaufen.
Es gibt die Möglichkeit auszuwählen. Wenn du den Leuten nur das komplette Album zum Vollpreis anbietest, dann überlegen sie sich zweimal, ob sie es kaufen, oder nicht.
Was glaubst du, könnt ihr mit der Hilfe dieses Albums neue Fans gewinnen?
K.L.: Ja, ich denke schon. Ich habe dir den Prozess ja gerade erklärt. Wenn die Leute einen Song mögen, dann wollen sie mehr über die Band wissen.
Aber wie kann ein solcher Song die Leute erreichen? Ich denke nicht, dass eine Band wie Manowar auf die Radiostationen abzielt.
K.L.: Eine Single wie die unsere ist nicht gemacht, um im Radio gespielt zu werden. Wir waren nie eine Radioband, seit es uns gibt haben die großen Radiosender nie irgendwelche Manowar-Songs gespielt. Wir können nur die, die interessiert sind, informieren, dass es veröffentlicht ist, dass es verfügbar ist, und man es anhören kann. Diejenigen, die die Musikmagazine lesen, die Websites im Internet besuchen und die Interviews lesen, die werden möglicherweise davon hören. Und was das oben gesagte anbelangt, es gibt einige kleinere Radiostationen auf der Welt, die an uns glauben, die unsere Songs spielen, und für uns Werbung machen. Und die Leute, die ich vorher meinte, kennen diese Sender. Obwohl die wahre Heavy Metal-Szene niemals Mainstream war und auch nie sein wird, ist die heutige Situation recht gut für dieses Genre.
Ich habe das Album zwar noch nicht gehört, aber ich glaube ihr habt euren Stil nicht geändert, oder?
K.L.: Schade, ich wäre sehr an deiner Meinung interessiert gewesen, da dieses Album ein bisschen anders als „Louder than Hell“ geworden ist. Musikalisch geht es zurück zu den Wurzeln von Manowar, mit wunderschönen orchestralen Stücken, wie Master of the Wind, aber auch mit Headbang-Parts wie in Kill with Power. Es ist ein Album, an das ich wirklich glaube, und ich denke wir hätten es nicht besser machen können. Die Band hat ein unglaubliches Zusammengehörigkeitsgefühl, wir unterstützten uns gegenseitig wo es nur ging, und man kann das auf dem Album hören.
Ist es in seiner Gesamtheit eher ein schnelles Album voller Energie, oder eher monumental und episch?
K.L.: Ich denke Letzteres. Wir haben keine 20minuten langen Songs geschrieben, dafür Stücke wie Nessun Dorma, bei dem es sich um einen „Opern-Song“ handelt, oder auch ein anderes, instrumentales, orchestrales Stück, das sehr schön ist, aber natürlich auch traditionelle Manowar-Songs, die sehr heavy sind. Es gibt auch noch einen, der wie Carry on ist, eher Hardrock als Metal. Aber die Leute werden sehr überrascht sein, denn wir haben ein fantastisches Album gemacht, das abwechslungsreich und durchgängig zugleich ist.
Wie schreibt ihr die Songs?
K.L.: Joey und ich schreiben die Songs. Nicht zusammen, sondern er bringt seine Ideen, ich bringe meine Ideen, dann verarbeiten wir sie, und Joey entscheidet, welche davon den wahren Manowar-Sound haben. Er entscheidet das, weil er der Anführer ist, und im Studio ist er der Produzent. Deshalb passierte es auch, dass ich etwa 30 halbfertige Songs irgendwo zuhause aufgenommen habe, und nur 2 davon auf dem Album sind. Danach müssen wir erneut auswählen, denn es ist eine wichtige Frage, welche Songs wirklich zur Stimmung des Albums passen. Wenn das gemacht ist, müssen wir es irgendwie aufnehmen, um es den anderen vorzuspielen, und dann nehmen wir die letzten Arbeiten daran vor. Und dann können dabei ganz andere Sachen herauskommen, als wir zunächst vorhatten, denn wir alle sind sehr kreativ. Wenn man im Booklet nachsieht, wer die Songs geschrieben hat, kann man nicht sicher sein, weil wir alles zusammen geschrieben haben.
Du sagst, du hättest eine Menge unveröffentlichter Songs zu hause. Planst du nicht vielleicht ein eigenes Projekt oder so?
K.L.: Oh ja, darüber habe ich nachgedacht, und jetzt plane ich es auch. Es ist noch nicht konkret, aber irgendetwas Derartiges wird in Zukunft kommen. Aber im Moment hat Manowar Priorität.
Nordamerika war immer ein unerobertes Land für euch. Was glaubst du, werdet ihr in den USA jemals erfolgreich sein?
K.L.: In den Staaten hängt alles von der Unterstützung der Medien ab. Wenn man die Unterschiede zwischen Europa und Amerika betrachtet, ist das erste, was einem auffällt, die Größe der Länder. Nehmen wir New York, wo es eine Menge Radio- und TV-Sender gibt, und nehmen wir an, wir würden dort für unser Album Promotion betreiben, so könnte das funktionieren, denn für einen bestimmten Geldbetrag können wir unsere Anzeigen überall schalten. Das Problem: Das ist nur ein Staat! In Europa gibt es bei weitem nicht so viele Länder, wie es in den USA Staaten gibt. Und da eine Heavy Metal-Band wie Manowar keinerlei Chance hat, in die bundesweiten Medien zu kommen, müssten wir das also in jedem Staat machen, und eine Unmenge Geld bezahlen. Eine Werbekampagne dieser Art kostet eine Menge Geld, aber der Heavy Metal hatte dafür nie ein ausreichend großes Publikum.
Aber wenn es passieren würde, dass Hausfrauen Manowar-Songs während dem Waschen oder Kochen pfeifen, dann würde der Geist unserer Musik verschwinden, Metal wäre „normal“, und das ist, wogegen er immer gekämpft hat.
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